Veranstaltung
Wenn die mögliche Täterperson mit am Tisch sitzt: Täterstrategien, Manipulation, Schuldumkehr und scheinbare Kooperation
Termine
22.02.2027, 09:30 - 17:00 Uhr
Ort
Online
44625 Online
Beschreibung
Kinderschutzgespräche werden besonders anspruchsvoll, wenn sich eine Sorge oder ein Verdacht gegen eine Person richtet, die selbst Teil des Familien-, Bezugs- oder Hilfesystems ist. Die mögliche Täterperson sitzt mit am Tisch, tritt kooperativ auf, liefert plausible Erklärungen oder präsentiert sich als besonders engagiert. Gleichzeitig können Bagatellisierung, Schuldumkehr, Verantwortungsverschiebung oder gezielte Einflussnahme auf Fachkräfte und Helfer*innensysteme entstehen.
Gerade in solchen Konstellationen braucht es mehr als gute Gesprächsführung. Fachkräfte müssen Dynamiken wahrnehmen und einordnen können, ohne vorschnell aus einer Hypothese eine Gewissheit zu machen.
Das Seminar beschäftigt sich mit typischen Täter- und Manipulationsstrategien und der Frage, wie diese Wahrnehmung, Fallverstehen und Entscheidungsprozesse beeinflussen können. Dabei wird auch betrachtet, warum professionelle Systeme für bestimmte Dynamiken anfällig sein können: Sympathie, Konfliktvermeidung, scheinbare Kooperation, widersprüchliche Informationen oder der Wunsch nach schneller Entlastung können die fachliche Einschätzung unbemerkt verändern.
Anhand konkreter Fall- und Gesprächssituationen wird erarbeitet, wie Fachkräfte auch unter kommunikativem Druck handlungsfähig bleiben, Beobachtung und Interpretation auseinanderhalten und den Schutz des Kindes im Zentrum behalten können.
Es geht dabei ausdrücklich nicht um das "Entlarven" von Menschen, sondern um professionelles Wahrnehmen, Hypothesenbildung, Gesprächsführung und Entscheidungsfähigkeit in komplexen Kinderschutzkonstellationen.
Ziele
- Täter- und Manipulationsstrategien fachlich erkennen und einordnen
- Bagatellisierung, Schuldumkehr und Verantwortungsverschiebung differenzieren
Beobachtung, Hypothese und Bewertung voneinander trennen
- mögliche eigene blinde Flecken und professionelle Anfälligkeiten reflektieren
- Gesprächsführung bei Abwehr, Angriff und scheinbarer Kooperation sicherer gestalten
- Spaltungs- und Einflussdynamiken im Helfer*innensystem erkennen
- Informationen fachlich nachvollziehbar dokumentieren
- Handlungssicherheit in komplexen Kinderschutzverfahren erweitern
Teilnehmer*innenkreis
Für Fachkräfte aus den Bereichen Kinder- und Jugendhilfe, Beratung, Schule, Kindertagesbetreuung, Frühe Hilfen, Gesundheitswesen, Eingliederungshilfe sowie angrenzenden psychosozialen Arbeitsfeldern.
Das Seminar eignet sich insbesondere für Fachkräfte, Leitungen und insoweit erfahrene Fachkräfte, die regelmäßig mit Kinderschutzverfahren, Fallberatungen oder komplexen Familienkonstellationen befasst sind.
Referent*in
Sabine Gruber
- Sozialfachwirtin
- Supervisorin
- Gestalt- und Traumatherapeutin
- Mediatorin
- Insoweit erfahrene Fachkraft im Kinderschutz
- langjährige Erfahrung in stationären, teilstationären und ambulanten Hilfen zur Erziehung
- zehn Jahre Geschäftsführerin eines Jugendhilfeträgers
- langjährige Tätigkeit in der Fachberatung im Kinderschutz
- Lehrbeauftragte im Studiengang Soziale Arbeit
- Inhaberin von GRUBERATUNG mit den Schwerpunkten Supervision, Therapie, Coaching, Kinderschutz und Fortbildung